Mein Berufs­ein­stieg in den Pro­jekt­all­tag

Gerade noch studierte ich Informatik an der Technischen Universität Dortmund, hatte viel Zeit mit Computerspielen und der Programmierung kleinerer Anwendungen verbracht und schon stand der erste Arbeitstag vor der Tür. Ich gebe zu, ich hatte vor meinem Berufseinstieg ein wenig Angst. Werde ich die an mich gestellten Aufgaben bewältigen können? Werde ich mich in meinem neuen Arbeitsumfeld wohl fühlen? Das sind Fragen, die sicherlich viele Berufseinsteiger nachvollziehen können.

Nun sind einige Monate verstrichen und ich möchte in diesem Blog-Eintrag zeigen, wie der Berufseinstieg für mich war, welchen Herausforderungen ich begegnet bin und wie ich diese zusammen mit meinem Projektteam bewältigt habe.

Die Projekteinführung

Schon an meinem ersten Arbeitstag habe ich mein neues Projektteam kennengelernt. Wir waren vier Entwickler, Florian, Azamat, Morris und ich. Florian und Azamat hatten nur wenige Tage vor mir angefangen bei BROCKHAUS AG zu arbeiten. Florian hatte nach seinem Universitätsabschluss schon ein Jahr Erfahrung in der Entwicklung von Web-Lösungen im PHP-Umfeld sammeln können. Azamat ist erst vor Kurzem aus seinem Heimatland Kirgisistan nach Dortmund gezogen. Daher stellte der Berufseinstieg bei der BROCKHAUS AG (aufgrund fehlender Deutschkenntnisse) für ihn sicher eine besonders große Herausforderung dar. Azamat hatte schon an einigen Projekten als Frontend-Entwickler mitgewirkt und kennt sich daher hervorragend mit CSS, HTML usw. aus. Morris ist Schülerpraktikant und hilft uns an manchen Tagen aus. Ich selbst komme aus dem Java-Umfeld.

Unsere erste Aufgabe war die Umsetzung eines Content-Management-Systems (CMS), welches nun unter dem Namen ContentMonkee bei uns im Einsatz ist. Das besondere an unserem CMS ist, dass es von uns als Open Source Projekt entwickelt wird und einen besonderen Ansatz zur Suchmaschinenoptimierung für Onepager verfolgt. Das ambitionierte Ziel war, das CMS soweit zu entwickeln, dass wir unsere Firmen-Website damit umsetzen können. Als Code-Basis sollte eine alte Web-Anwendung dienen, welche wir um die verschiedensten Funktionalitäten erweitern sollten.

Ich weiß noch wie Florian, Azamat und ich eingeschüchterte Blicke austauschten, als uns die Anforderung für das CMS erklärt wurden. Und dann soll das Ganze noch innerhalb von zwei Monaten fertig sein?

Zudem haben wir an dieser Stelle erfahren, dass wir ein SCRUM-Team bilden. SCRUM ist im Wesentlichen ein Modell nachdem Software agil entwickelt wird. Was das genau für uns bedeutet, haben wir Schritt für Schritt kennengelernt. Paul, unser Projektleiter, hat uns jede Woche einen Aspekt von SCRUM erläutert und unser Team eingeführt.

Das Projekt

Nun war es endlich soweit. Ich durfte zusammen mit meinem Projektteam einen ersten Blick auf die Code-Basis werfen und die ersten zwei Aufgaben umsetzen. Aus heutiger Sicht empfinde ich die beiden Aufgaben als sehr einfach. Unser Team hätte heute sicher nur wenige Stunden für diese Aufgaben benötigt, doch zu diesem Zeitpunkt hatten wir starke Schwierigkeiten herauszufinden wo wir überhaupt ansetzen sollten. Eine ganze Woche haben wir gebraucht um eine Lösung zu finden. Dennoch hat uns die aufgewendete Zeit viel genützt, denn dadurch konnten wir den bereits vorhandenen Quelltext kennenlernen und lernten uns in dem Projekt zurechtzufinden.

Natürlich sind wir über die Zeit hinweg stets zügiger bei der Bearbeitung der an uns gestellten Anforderungen geworden. Wir setzen immer komplexer werdende Anforderungen um und konnten Aufgaben besser koordinieren. Letzteres finde ich besonders spannend. Es macht mich einfach glücklich, wenn wir eine größere Aufgabe in mehrere Teile teilen und unabhängig voneinander bearbeiten können. Dabei teilen wir die Aufgaben nach den speziellen Fähigkeiten der Team-Mitglieder auf. Da jeder von uns nur einen Teil umgesetzt hat, wissen wir erst am Ende ob wir in die richtige Richtung gedacht haben. Dabei ist die Kommunikation und Absprache innerhalb des Teams von entscheidender Bedeutung. Wenn anschließend alles genauso funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben, ist das ein tolles Erfolgserlebnis.

Natürlich klappt nicht alles immer so reibungslos. Manchmal werden Anforderungen falsch verstanden oder wir sind bezüglich der Umsetzung unterschiedlicher Meinung. Dann kann der Ton auch mal etwas rauer werden. Besonders in der Anfangszeit, wo wir die Arbeitsweise der anderen Team-Mitglieder noch nicht kannten, hat die Zusammenarbeit nicht immer vollständig funktioniert. Dann ist es stets wichtig, dass wir sachlich über das Geschehene reden. Was ist schiefgelaufen? Wie können wir sicherstellen, dass es demnächst besser klappt? Solche Gespräche werden nicht nur direkt nach der entsprechenden Situation geführt, sondern dafür gibt es ein eigenes wöchentliches Meeting – die Retrospektive. Hier diskutieren wir über die vergangenen Hürden, die sich unserem Team in den Weg gestellt haben, aber auch positive Sachverhalte werden dargelegt und analysiert.

Ganz allgemein stelle ich fest, dass ich einen sehr kommunikativen Job habe. Ich hatte früher stets angenommen, dass man als Entwickler lediglich starr definierte Anforderungen herunterschreibt – ganz besonders beim Berufseinstieg. Doch das Gegenteil ist der Fall! Zu jedem Projektstart gibt es ein Kickoff, indem wir erfahren was getan werden muss und wir die ersten Projekttage planen. Einmal am Tag besprechen wir im Team den jeweils gestrigen und den aktuellen Tag im sogenannten Daily. Einmal in der Woche haben wir noch ein Weekly, bei dem wir anderen Entwickler-Teams erklären, was wir in der vergangenen Woche geschafft haben und welche Herausforderungen wir lösen mussten. Neben diesen beiden Meetings, haben wir noch weitere wöchentliche Besprechungen, bei denen wir einem Sprint Planning den nächsten Entwicklungszyklus besprechen. An manchen Tagen planen und kommunizieren wir mehr, als wir dann tatsächlich programmieren.

Letztendlich ist dieses Projekt für mich und mein Team sehr spannend gewesen. Die Anforderungen wurden nicht zu präzise und nicht zu starr formuliert, sodass wir Lösungsstrategien selbst entwickeln und umsetzen konnten. Dass die beschriebenen anfänglichen Schwierigkeiten dabei auftreten können, ist klar. Doch nur so konnten wir an unserer Aufgabe wachsen und umso erfüllender waren unsere Erfolgserlebnisse.

Den Berufseinstieg mit einem Projekt zu beginnen, in welchem wir unsere eigenen kreativen Ideen einbringen konnten, hätte es woanders vielleicht nicht gegeben.

Außerhalb des Projekts

Außerhalb des Projekts gibt es natürlich auch noch ein Arbeitsleben. Schon zu Beginn kommt man mit den anderen Kollegen schnell ins Gespräch. Auch dann, wenn man, wie ich, ein wenig zurückhaltender ist. Ob beim täglichen Mittag, beim Xbox spielen und Kickern oder in der Raucherecke, Spaß haben wir immer.

Da viele Berater und Entwickler unserer Firma an verschiedenen Standorten arbeiten, ist es wichtig die Kommunikation zwischen den Kollegen aufrechtzuerhalten. Dazu gibt es einmal im Monat einen Jour Fixe. Hier treffen wir uns mit allen Kollegen am Hauptstandort der BROCKHAUS AG und tauschen uns über Neuigkeiten aus. Neben den allgemeinen Informationen und Ankündigungen, welche uns als Firma betreffen, erfahren wir auch, was in den anderen Projekten passiert und lernen die Kollegen kennen, die an anderen Standorten arbeiten. Zudem dürfen wir zwischen verschiedenen Workshops wählen, welche wir dann besuchen dürfen. Hier können wir uns in verschiedenen Technologien weiterbilden, etwas über aktuelle Geschäftsprozesse erfahren oder zusammen mit anderen Kollegen die Zukunft unserer Firma kreativ mitgestalten. Beispielsweise ist dieser Blog oft auch ein Thema in solchen Workshops.

Der Jour Fixe ist nach den Workshops aber noch längst nicht vorbei, denn im Anschluss gehen wir oft noch Laser Tag spielen, in den Kletterseilgarten, Kanu fahren oder einfach nur Grillen.

Wo stehe ich jetzt?

Seit meinem Berufseinstieg sind nun einige abwechslungsreiche Monate verstrichen. In meinem ersten Projekt und den vielen Workshops konnte ich mir viel Wissen und Methodik aneignen. Nun bin ich seit einiger Zeit als Junior IT Consultant für einen Kunden der BROCKHAUS AG tätig. Folglich habe ich bereits neue Erfahrungen gemacht, die an meinen Berufseinstieg anknüpfen. Eine Zeit in der ich mit neuen Kollegen an einem neuen Ort und neuen Aufgaben weiter gewachsen bin. Es fühlt sich genauso aufregend und spannend an, wie bei meinem Berufseinstieg. Doch dieses Mal habe ich keine Angst mehr vor den Herausforderungen.

Michel Jakob

Michel Jakob

Junior IT Consultant bei BROCKHAUS AG
Michel Jakob ist für die BROCKHAUS AG im Java- und .NET-Umfeld unterwegs und war zudem mit verantwortlich bei der Entwicklung der Open Source Software ContentMonkee, einem Content Management System der BROCKHAUS AG.
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